Progamm - retrospektiv

29.11.09

Winter Adé
DDR 1988 (35mm, 115min)
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IMDb :
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R: Helke Misselwitz
Beginn 20:00 Uhr

Winter adé Eine Bahnreise quer durch die DDR, im letzten Jahr ihres Bestehens: Auf ihrer Fahrt von der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, in den Norden, bis an die Ostsee, trifft die Regisseurin Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung. Einige der Begegnungen sind verabredet, andere ergeben sich aus improvisierten Situationen. Die Landschaften und Architekturen Ostdeutschlands, gefilmt in strengem Schwarzweiß, bilden den Hintergrund. Die Frauen erzählen von ihrem Alltag, ihren Nöten und Hoffnungen: zwei junge Punkerinnen, eine Arbeiterin aus einer Brikettfabrik, eine Berliner Ökonomin oder eine 85-jährige Dame, die gerade ihre diamantene Hochzeit feiert. Ihre unverstellten Aussagen und Beobachtungen fügen sich zu einem vielgestaltigen Kaleidoskop aus Erinnerungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen, das Leben und Stimmung in der DDR auf plastische Weise beschreibt.

Noch nie vorher waren Menschen in der DDR derart offen und gleichzeitig selbstverständlich vor der Kamera aufgetreten, um von ihren mentalen und praktischen Lebensumständen zu erzählen. Der Film mit dem programmatischen Titel markierte die Unhaltbarkeit des offiziellen Meinungsbildes. Winter adé ist ein künstlerisch nachhaltig wichtiger und ästhetisch geschlossener Film, in dem das Zusammenspiel von Regie, Kameraführung und Schnitt eine fast choreografisch zu nennende Gesamtkomposition ergibt. Aber vor allem sind es die Genauigkeit und die Zärtlichkeit seiner Beobachtung, die den Film aus der späten Phase der DEFA-Geschichte herausheben.

"Der Film selbst macht deutlich, wie viele Probleme hier noch verborgen sind und wie viel Geduld, Achtung und Toleranz dazu gehören, diesen Weg zur Emanzipation des Menschen in unserer Gesellschaft zu beschreiben und Ursachen und Perspektiven zu ordnen." (Beate Schönfeldt)